Die Frage nach dem "Warum?"

Die Frage nach dem "Warum" quält sehr viele Betroffene. Sie fühlen sich schuldig und machen sich Vorwürfe. "Habe ich zu viel Stress gehabt", "Habe ich mich zu ungesund ernährt?", "Habe ich zu viel Sport getrieben?", "Hätte ich mich mehr ausruhen müssen?", "Habe ich etwas falsches gegessen?" usw.

Eine Frauenärztin jedoch sagte jedoch einmal zu mir: "Eine intakte Schwangerschaft lässt sich so schnell nicht von außen stören."

Es sind also vielmehr Ursachen, die nicht unmittelbar und von einem persönlich abstellbar sind, abgesehen von Nikotin, Drogen oder Übergewicht. Außerdem ist nicht zwingend die Frau "Schuld" an dem Abort- wenn man von diesem Wort in dem Zusammenhang überhaupt sprechen kann-, es kann auch ebenso bei einem frühen Verlust am Mann liegen.


Zytogenetische Untersuchungen von Abortmaterialien haben gezeigt, dass bei Frühaborten zu ca. 60 % und bei Spätaborten zu ca. 30 % chromosomale Störungen vorliegen.
Jedoch liegt bei der Untersuchung des Abortmaterials oder kindlichen Gewebes ist die Aufdeckungsquote des Gendefekts bei 60% ca. Etwa jede zweite Untersuchung beantwortet also auch nicht das "Warum". Schuld daran ist meist, dass die Zellen sich nicht mehr teilten oder nur einige Genmutationen untersucht wurden.

Je nachdem zu welchem Schwangerschaftszeitpunkt einen das Schicksal ereilt, gibt es unterschiedlichste Ursachen, die von Gendefekten über Muttermundschwäche sowie endokrinologischen Problemen bis zur Plazentainsuffizienz reichen.
Allen aber ist gemeinsam, Ihr seid nicht Schuld! Man spricht ja auf nicht von Schuld, wenn jemand an Leukämie erkrankt. Das sind Schicksalsschläge, denen man machtlos ausgeliefert ist. In den meisten Fällen ist es vielmehr "Pech" gewesen. Bitte stört euch nicht an der Wortwahl! Ich weiß, dass es viele als zu lapidar empfinden, aber gemeint ist damit, dass es nicht beinflussbar und abwendbar war von außen.
Ich wünsche Euch, dass Euch dieses Los nur einmal trifft.
Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines zweiten Abortes infolge liegt bei 11-13%.
Wenn Ihr zu den 1% gehört, die habituelle Aborte hinter sich haben, dann wünsche Euch einen einfühlsamen und kompetenten Arzt an Eurer Seite.

Es zieht ein gewaltiger Sturm auf, der Himmel wird schwarz, der Wind fängt an zu tosen und peitscht die See auf. Die Wellen schlagen einem über dem Kopf zusammen und man droht unter zu gehen. Man kann kaum den Kopf über Wasser halten, man ist in Panik, verzweifelt, außer sich vor Angst, weiß nicht, ob man das übersteht. Die Wellen kommen aus allen Richtungen, völlig unkontrolliert, sind meterhoch und drücken einen immer wieder unter Wasser.
Irgendwann lässt der Sturm etwas nach, die See beruhigt sich. Man kommt wieder zu Atem, kann etwas ausruhen, die Orientierung gewinnen. Es kommen immer noch Wellen, aber diese sind absehbar und nicht mehr so unkontrolliert von allen Seiten.

Irgendwann werden die Abstände der Wellenberge größer, die Wellenkämme kleiner. Die See wird ruhiger. Es kann immer mal wieder ein Sturm aufziehen, aber man ist vorgewarnt.
Die Trauer oder mindestens Schatten davon werden einen das ganze Leben lang begleiten. An diesen Begleiter, der mal mehr, mal weniger leise ist, wird man sich leider gewöhnen müssen und ihn als gegeben und zum jetzigen Leben gehörend annehmen.

Und es wird immer mal wieder Phasen geben wie etwa der Entbindungstermin, Weihnachten oder der Todestag, an denen man wieder mehr traurig ist. Aber die Phasen, in denen es nicht mehr so tief innen schmerzt, werden weniger und besser auszuhalten. Die Sehnsucht wird ewig anhalten und auch wird man nicht vergessen. Das heißt es als permanente Narbe zu akzeptieren. Die Trauer wird aber irgendwann nicht mehr das Leben bestimmen und so viel Raum einnehmen.

Die See wird ruhiger- irgendwann…

Ich hoffe, das Forum kann Euch in dieser Zeit der Rettungsring sein bis Ihr wieder selber schwimmen könnt.