„Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind“ (Victor Hugo)

Mögliche Ursachen und Behandlung einer Fehlgeburt oder einer Totgeburt

Icon-Symbolbild zwei Menschen, Trost

Es ist erstaunlich wie viele Prozesse ineinandergreifen müssen, damit so etwas Komplexes wie der Mensch entstehen kann. Wenn man sich dessen bewusst macht, was für Unwegsamkeiten zu überwinden sind und was stattfinden muss, ist es fast nicht zu glauben, dass es überhaupt klappt und ein Mensch geboren wird. Ein Wunder… 

Leider muss man sagen, dass bei knapp der Hälfte aller Fälle trotz intensiver Diagnostik aufgrund der Komplexität die Ursache der Fehl- oder Totgeburt nicht gefunden werden kann.
Bei den Fällen, in denen die maßgeblichen Faktoren gefunden werden, sind die Ursachen oft vielfältiger Natur. 
Nach 3 hintereinander folgenden Fehlgeburten, von der WHO definiert als habituelle Aborte, können/sollten Risikofaktoren abgeklärt werden, in begründeten Fällen ist dies auch schon nach 2 Verlusten möglich. Insbesondere die genetische Untersuchung sollte schon bereits nach 2 hintereinander folgenden Aborten erfolgen, wenn das Paar noch kinderlos ist, die Familienanamnese Hinweise auf eine genetische Problematik liefert und die Frau schon älter ist. 
Die Regel, dass erst nach 3 Fehlgeburten eine Diagnostik angestoßen wird, folgt der Pflicht des wirtschaftlichen Arbeitens der Kassenärzte und der Annahme, dass eine fehlgeschlagene Schwangerschaft ein unglücklicher Zufall sein kann.  Grundsätzlich liegt dies also immer im Ermessen des Arztes/der Ärztin, und eine Diagnostik kann auch schon eher gemacht werden. 
Gerade in Bezug auf habituelle Aborte, die je nach Definition und Quelle 2-5%  aller Frauen/Paare mit Kinderwunsch betrifft, gibt es spezielle Abortsprechstunden oder auch Kinderwunschkliniken, die darauf spezialisiert sind. 

Mögliche Ursachen einer Fehlgeburt

Im Folgenden werden häufig genannte potenzielle Ursachen für eine Fehlgeburt überblicksartig dargestellt. Die jeweilige diagnostische Abklärung und die therapeutischen Konsequenzen werden im Rahmen der Leitlinie „Diagnostik und Therapie wiederholter Spontanaborte“ kritisch bewertet und werden nicht durchgängig als sinnvoll angesehen.

Hier findet sich eine weitere Übersichtsarbeit zu den Ursachen.

Mögliche Ursachen einer Totgeburt

Eine Totgeburt (in Deutschland meist definiert als Tod eines Kindes vor oder während der Geburt ab einem bestimmten Schwangerschaftsgewicht oder einer bestimmten Schwangerschaftswoche) kann viele Ursachen haben. In vielen Fällen lässt sich trotz Untersuchungen keine eindeutige Ursache finden. Trotz moderner Diagnostik bleibt ein Teil der Fälle ungeklärt. Je nach Studie betrifft das etwa ein Viertel bis über ein Drittel der Totgeburten.

Die häufigsten bekannten Ursachen sind:

Fehlgeburt/Totgeburt- warum ist mir das passiert?

Die Frage nach dem „Warum ist das passiert“ quält sehr viele Betroffene. Sie fühlen sich schuldig für den Tod des Sternenkindes und machen sich Vorwürfe. 

„Habe ich zu viel Stress gehabt“, „Habe ich mich zu ungesund ernährt?“, „Habe ich zu viel Sport getrieben?“, „Hätte ich mich mehr ausruhen müssen?“, „Habe ich etwas Falsches gegessen?“ usw.
Es sind also viel mehr Ursachen, die nicht unmittelbar und von einem persönlich beeinflussbar sind, abgesehen von Nikotin, Drogen oder Übergewicht. Außerdem ist nicht zwingend die Frau „Schuld“ an dem Abort – wenn man von diesem Wort in dem Zusammenhang überhaupt sprechen kann- es kann auch ebenso bei einem frühen Verlust am Mann liegen. In einem Drittel aller Fälle von Unfruchtbarkeit sind beide Partner an der Entstehung beteiligt.

Etwa 80 % aller Aborte sind Frühaborte bis zur 12. SSW, die zu 50 % der Fälle durch Chromosomenstörungen, die zumeist spontan aufgetreten sind oder durch eine balancierte Chromosomenveränderung eines Partners verursacht wurden. Bei Spätaborten (13.-28. SSW) sinkt der Anteil der Chromosomenstörungen auf 30 % .
Wird nach 2 Fehlgeburten, wie die Empfehlung der aktuellen Leitlinie „habituelle Aborte“ lautet, eine genetische Untersuchung durchgeführt, kann in 80 % der Fälle der chromosomalen Fehler, also das „warum“, aufgedeckt werden. Die Rate erfolgloser zytogenetischer Diagnostik bei Abortmaterial aufgrund von Kulturversagen liegt bei durchschnittlich 20 %. Ursache ist die Notwendigkeit, teilungsfähige Zellen für eine mikroskopische Chromosomenanalyse zu gewinnen. Hierauf nehmen die Zeitdauer nach dem Abort, der Transport, die Art der Kultivierung und die Verunreinigung durch mütterliches Material einen Einfluss. Moderne Verfahren der Molekularzytogenetik, z. B. eine DNA-Array-Analyse, können diese Einschränkung umgehen, da sie nur eine DNA-Probe der Fruchtanlage benötigen. 

Je nachdem, zu welchem Schwangerschaftszeitpunkt einen das Schicksal ereilt, gibt es unterschiedlichste, andere Ursachen als die genannten Chromosomenstörungen, die zu einem Scheitern der Schwangerschaft führen. Diese Diagnostik bedarf oft vieler Untersuchungen und gleicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen, die oft auch nicht gefunden werden kann, weil die Komplexität enorm ist.

Allen aber ist gemeinsam, Ihr seid nicht schuld. Es sind viel mehr Schicksalsschläge, denen man machtlos ausgeliefert ist, ähnlich einem Unfall, einer Krankheit oder etwas, was von außen nicht beeinfluss- oder abwendbar war. 

Genetik als die häufigste Ursache für Fehlgeburten

Die WHO-Definition des wiederholten Spontanabortes lautet: „3 und mehr konsekutive Fehlgeburten vor der 20. SSW“. Hiervon sind etwa 1 % der Paare mit Kinderwunsch betroffen. Dies ist aus genetischer Sicht zu relativieren, da bereits ab einem Abort die Wahrscheinlichkeit einer vorhandenen Chromosomenveränderung bei Mutter oder Vater ansteigt. Berücksichtigt man Paare mit mindestens 2 Aborten für die genetische Diagnostik, sind bis zu 5 % aller Paare im reproduktionsfähigen Alter betroffen. Daher sieht die neue Version der Leitlinie „habituelle Aborte“ eine Genetik nach 2 Fehlgeburten bei bestimmten Voraussetzungen in Hinblick auf die Familienanamnese und das Alter der Frau vor.  Die häufigste Ursache (40–50 %) für Spontanaborte sind embryonale bzw. fetale Chromosomenaberrationen, die bei der Verschmelzung der Keimzellen und Zellteilung spontan neu entstanden sind. Angaben zur Häufigkeitsverteilung der Chromosomenstörungen sind hier zu finden. Je früher ein Abort eintritt, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer embryonalen Chromosomenstörung.  Bei Paaren mit 2 oder mehr Aborten lässt sich in etwa 4–5 % der Fälle bei einem Partner eine balancierte Chromosomenaberration nachweisen. Bei diesem ist die chromosomale Anordnung der DNA verändert, das genetische Material ist jedoch vollständig in normaler Kopienzahl vorhanden und funktionell intakt, der „Fehler“ wird mitgebracht. 

So haben balancierte Translokationen zunächst einmal keinerlei klinisch relevante Auswirkungen für den Träger. Es können sich aber meiotische Fehlverteilungen ergeben, die in Abhängigkeit von den beteiligten Chromosomen das Risiko für Aborte oder für die Geburt eines Kindes mit einer Entwicklungsstörung aufgrund einer unbalancierten Chromosomenstörung erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit einer strukturellen Chromosomenstörung sinkt mit dem mütterlichen Alter und steigt bei familiärer Belastung mit Aborten. Eine humangenetische Beratung mit einer Genanalyse beider Partner ist dann sinnvoll,  insbesondere dann, wenn bei vorausgegangenen Aborten mit feingeweblicher Untersuchung der Verdacht auf eine Chromosomenanomalie geäußert wurde. In einem solchen Fall ist auch eine Chromosomenuntersuchung an Blutzellen der Eltern indiziert. Die Chromosomenanalyse des Abortmaterials kann eine Abgrenzung zu anderen Störfaktoren z. B. exogener Art ermöglichen.
Eine ursächliche Therapie von Chromosomenaberrationen ist nicht möglich, man kann nur während oder vor der Schwangerschaft im Rahmen einer künstlichen Befruchtung genetische Fehler des Embryos ausschließen. Die meisten aneuploiden Embryonen (Zellen mit einer von der Norm abweichenden Anzahl an Chromosomen) kommen nicht zur Einnistung oder führen nur zu einer biochemischen Schwangerschaft bzw. zu einem Frühabort. Während 40–60 % der frühen Embryonen chromosomal auffällig sind, sinkt dieser Anteil auf 0,3 % bei Lebendgeburten, d.h. der Großteil dieser Schwangerschaften endete frühzeitig, weil die Entwicklung aufgrund von strukturellen Fehlern stoppte. 

Mittels Pränataldiagnostik und ihren unterschiedlichen Möglichkeiten wie z.B. NIPT kann man während der Schwangerschaft ermittelt werden, ob das Kind eine chromosomale Veränderung aufweist. 

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) und Präkonzeptionsdiagnostik (PKD) setzen vorher an. Hier wird im Rahmen einer künstlichen Befruchtung künstlich vorselektiert. Die gesetzlichen Voraussetzungen in Deutschland sehen jedoch eine PID nur dann vor, wenn aufgrund der genetischen Disposition der Eltern oder eines Elternteils eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind wahrscheinlich ist. Eine gezielte PID bei bekanntem genetischem Risiko ist in Deutschland nur an hierfür zugelassenen PID-Zentren nach positivem Votum der zuständigen Ethikkommission erlaubt. 

Die Polkörperdiagnostik PKD ist eine Methode zur genetischen Untersuchung von Eizellen noch vor Abschluss der Befruchtung, daher fällt sie nicht unter das Embryonenschutzgesetz und ist auch ohne Ethikkommission zulässig (Präkonzeptionsdiagnostik). Die Entnahme und Untersuchung des ersten und zweiten Polkörpers ermöglichen eine indirekte Aussage über die genetische Konstitution der Eizelle. Ein grundsätzlicher Nachteil der Polkörperdiagnostik besteht darin, dass nur das mütterliche Erbgut untersucht wird und eine Aussage über mögliche väterliche Faktoren nicht getroffen werden kann. Ferner ist zu bedenken, dass sich nur etwa 40–50 % der befruchteten Eizellen überhaupt zu Blastozysten und nur 25 % zu qualitativ mindestens guten Blastozysten entwickeln. Damit lässt eine Chromosomenanalyse der Polkörper vielfach keine Aussage zur Prognose für die Weiterentwicklung des Embryos zu. 


Bei der Präimplanationsdiagnostik PID unterscheidet man zwischen der Blastomer- und der Blastozystenbiopsie. Hier werden dem Embryo an Tag 3 oder 5 Zellen entnommen, mit dem Ziel, Rückschlüsse von der einzelnen Zelle auf das Gesamte ziehen zu können. Durch das Verfahren der IVF/ICSI und den mit einer genetischen Analyse von embryonalen Zellen verbundenen Verlust von Embryonen liegt die Erfolgsquote mit PID schwanger zu werden bei etwa 35 %, jedoch kann das Abortrisiko auf 5-24 % gesenkt werden. 

Endometriose als Risikofaktor für Fehlgeburten

Endometriose zu haben bedeutet auch immer, dass vermehrt entzündliche Prozesse im Körper, in den weiblichen Geschlechtsorganen, stattfinden. Die Entzündungen bewirken eine Ansammlung von Makrophagen und Zytokinen im Bauchfell, die ihrerseits die Spermien- und Eileiterbeweglichkeit einschränken.

Je nach Schwere der Erkrankung kann auch die Aufnahme der Eizelle in den Eileiter erschwert sein, wenn dort Endoherde sitzen.

Darüber hinaus ist die Einnistung einer befruchteten Eizelle in eine pathologisch veränderte Gebärmutterschleimhaut erschwert


Auch haben inflammatorische Zellen und freie Radikale in der Gebärmutterschleimhaut einen negativen Einfluss auf die Embryonalentwicklung.

Zu wenig Progesteron (Stichwort „Progesteronrezeptoren“) kann dazu führen, dass eine Schwangerschaft nicht aufrechterhalten werden kann.

Fazit: Eine Schwangerschaft kann bei dieser Erkrankung also auf vielfältige Weise gefährdet werden. 

PCOS als Risikofaktor für Fehlgeburten

Im Zusammenhang mit den Fehlgeburten stehen die hormonellen Veränderungen, die mit diesem Syndrom einhergehen, im Vordergrund. Im Eierstock reifen anstatt weniger Eibläschen von 10 bis 20 Stück sehr viele heran, wovon sich keiner dominant entwickelt und „sprungreif“ wird.
Betroffene Frauen haben daher ohne Behandlung keine regelmäßigen und gar keinen Eisprung und ungewöhnlich lange und unregelmäßige Zyklen. Der ausbleibende Eisprung führt zu einer Erhöhung der männlichen Hormone (Testostern). Meist ursächlich mit dem PCO-Syndrom vergesellschaftet ist das Übergewicht.
Ebenfalls mit ursächlich ist oft auch eine Störung des Insulinstoffwechsels (Insulinresistenz), die wiederum die Neigung zu  Übergewicht verstärkt.
Durch eine entsprechende Behandlung (meist mit Hormongaben zur Eizellreifung) kann es zu einem Eisprung und einer Schwangerschaft kommen. Jedoch ist die Neigung zu Fehlgeburten im Falle einer Schwangerschaft im Vergleich zu anderen Frauen deutlich erhöht, weil die Eizellqualität infolge der geringen und ungenügenden Reifung im Eierstock reduziert ist.

Wie kann ich selbst das Risiko einer Fehlgeburt reduzieren?

Eine der häufigsten Fragen der Frauen nach einer Fehlgeburt ist: „Was kann ich tun, damit mir das nicht noch ein Sternenkind bekomme bzw. wie kann ich das Wiederholungsrisiko gering halten? Ich möchte etwas aktiv tun und dem Schicksal nicht ausgeliefert sein. Mein Arzt möchte jedoch noch keine weiterführende Diagnostik, da ich „erst“ 1 Fehlgeburt hatte und weiterführende Diagnostik erst nach 3 Aborten angeregt wird.“

Das kann Mann und Frau schon selbst alles tun:

  • Stress reduzieren
  • Kaffeekonsum moderat halten
  • kein Nikotin/Alkohol
  • für ein gesundes Gewicht sorgen
  • Check von Medikamenteneinnahme und ggf. deren Wirkung auf Fruchtbarkeit
  • gesunde, basenreiche Ernährung, damit alle wichtigen Nährstoffe wie Eisen, Folsäure, Jod, Vitamin D etc. da sind, ggf. spezielle NEM (s. Stichwort Pimpmyegg/-Sperm)
  • Folsäure, Magnesium, Vitamin D und Jod (evtl. Achtung bei Schilddrüsenerkrankung) nehmen
  • Bewegung/Sport für eine gesunde Fitness
  • ausreichend Schlaf
  • großes Blutbild/Urintest/Check-up beim Hausarzt, besser Endokrinologe: Vitamin B6 und B12, Vitamin D, Eisen, Vitamin E, Mineralien wie Zink, Selen, Leukozyten erhöht als Hinweis für entzündliche Prozesse, Schilddrüsenprobleme, Diabetes, APS
  • Ultraschall und Hormonstatus 1. und 2. Zyklushälfte, Gebärmutteranomalien, PCOS, Endometriose beim Frauenarzt
  • Spermiogramm/Test zur DNA-Fragmentation der Spermien



Es ist jedoch zu beachten, dass sich die positive Wirkung auf die Eizellen durch Nahrungsergänzungsmittel oder ein verändertes gesundheitliches Verhalten erst nach 3 Monaten zeigt.

Wann nimmt das Risiko für eine Fehlgeburt ab?

0175-7130557
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