Über mich

Ich bin Mutter von 4 Kindern und war 7 Mal schwanger. Das heisst, ich habe bereits selber 3 Fehlgeburten erleiden müssen. Und jede einzelne ist mir so lebendig im Gedächtnis geblieben als wäre es gestern passiert. Die Fehlgeburten haben mich nachhaltig geprägt und ihre ewigen Narben hinterlassen. "Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man, doch manche wiegen so schwer, dass selbst die Zeit nicht vermag sie zu heilen".  Noch heute laufen die Tränen, wenn ich an die Kinder denke, die ich nie Kennenlernen durfte...  Doch so bleiben sie wenigstens unvergessen und haben doch ihre Spuren hinterlassen, auch wenn sie nie den Boden betreten haben. 

Die erste Fehlgeburt ereignete sich 2015. Mein Mann und ich hatten uns für ein 3. Kind entschieden und nach 5 Zyklen hielt ich den ersehnten positiven Test in den Händen.  Jedoch währte das Glück nur bis zur 9. Woche. In der 8. Woche kündigte sich die Fehlgeburt mit einer zarten, braunen Schmierblutung an. Ich ging sofort zu meiner Frauenärztin, die einen etwas zu kleinen Embryo mit etwas zu langsamen Herzschlag sah. Für sie war das jedoch noch kein Grund zur Beunruhigung. Ich ging nach Hause und sollte das Utrogest auf 3x 200mg erhöhen. Jedoch wurden die Blutungen ganz langsam immer mehr. Ich war sehr verzweifelt und hatte fruchtbare Angst um mein Kind. 3 Tage später verlor ich dann die Fruchthülle völlig unvorbereitet auf der Toilette. Es machte innerlich ein "Plöpp" und sie flutschte aus mir raus. Ich war regelrecht schockiert. Überall so viel Blut... Mein Mann und ich begruben das werdende Leben in unserem Garten und weinten bitterliche Tränen.

Ich machte dem Motto "Ein warmer Ofen backt schneller" aller Ehre, denn schon im nächsten Zyklus durfte ich wieder positiv testen. Doch auch diese Schwangerschaft hielt nur bis zur 9. Woche. Wieder kam es zu Schmierblutungen , wieder war im Ultraschall dasselbe zu sehen wie beim 1. Mal, nur verlor ich die Fruchthülle dieses Mal unter der Dusche. 
Ein Alptraum in der Wiederholung...Und jedes Mal fühlte ich mich verlassen und allein gelassen. Wünschte mir so sehr mein Kind zurück. 
Aufrecht hielt mich alleine die Betrachtungsweise, dass die Seele unseres für uns bestimmten Kindes noch nicht dauerhaft in die bereit gestellte Hülle einziehen konnte, weil sie noch nicht brauchbar war. Es war somit ein Abschied auf kurze Dauer in meinen Augen und so versuchte ich mich zu trösten.

Zwei Zyklen später wurde ich erneut schwanger und durfte dann nach einer komplikationslosen Schwangerschaft unter einer Heparintherapie 9 Monate später unseren Sohn gesund in die Arme schließen. 

2 Jahre später keimte erneut der Kinderwunsch auf und ich wurde wieder schwanger. Es war bis zur 13. Woche alles unauffällig und zeitgerecht. Jedoch wurde beim Ersttrimesterscreening vom untersuchenden Arzt eine vergrößerte Blase sowie ein zu schneller Herzschlag festgestellt- 2 Softmarker für eine mögliche Trisomie. Weitere Anzeichen gab es aber nicht und auch der Arzt machte keinen sonderlich beunruhigten Eindruck. Eine Woche später bemerkte ich dann auf der Toilette beim Abwischen eine zarte Schmierblutung. Ich war sofort alarmiert und fuhr zu meiner Frauenärztin, die anfing zu schallen. In diesem Moment geriet die Welt aus den Fugen, denn ich hatte sofort gesehen, dass das Kind reglos ohne Herzschlag in der Gebärmutter schwamm. Ich fing außer mir an zu Weinen und zu Schreien, wollte nicht wahrhaben, was ich sah. Das konnte doch nicht sein?! Ich war doch schon in der 14. Woche, am vermeintlich sicheren Ufer! Wie konnte das Kind tot sein?! 
Die Ärztin zeigte sich nicht wirklich empathisch, wollte mir eine Überweisung zur Ausschabung geben und "der Nächste bitte!" rufen. Irgendwie kam ich nach Hause und irgendwie über die kommenden Tage, die ich im Internet über "natürlicher Abgang" recherchierte und auf der ständigen, aber erfolglosen Suche nach Leidensgenossinnen war. Denn eines war für mich klar, ich wollte keine Operation. Verschiedene Gründe veranlassten mich zu dieser Entscheidung. Zum einen wollte ich die Risiken einer Ausschabung vermeiden, zum anderen wollte ich mein Kind nicht aus mir "raus schaben" lassen und dann mich nach der Operation wie beraubt fühlen. Ich wollte das Kind würdevoll den Weg gehen lassen, welcher für ihn bestimmt war, und es dann beerdigen können. Ich wollte mich verabschieden wie von einem aufgebahrten Toten. Und lange Zeit war es auch so, dass es ich eigentlich auch gar nicht gehen lassen wollte. Denn auch wenn es tot war, so war es doch noch wenigsten bei mir. Immer wieder streichelte ich meinen Bauch und hoffte auf ein Wunder, auf einen wiedereinsetzenden Herzschlag-völlig irrational, ich weiss.  Ich hatte fürchterliche Angst vor dem Moment an dem es endgültig vorbei sein sollte und ich allein und nicht mehr schwanger war. 
Es war ein einsames, sehr nervenzehrendes, verzweifeltes Warten auf das Ende. Was hätte ich mir in dem Moment so ein Forum wie dieses hier gewünscht. 
2 Wochen musste ich warten. Dann kam der Punkt in der 16. Woche, an dem ich zu dem Kind sprach, dass es nun gehen müsste, damit wir wieder zueinander kommen können. Und tatsächlich platze in der Nacht bei einem  Toilettengang die Fruchtblase und ganz ohne Wehen drückte ich unseren Sohn in der Badewanne heraus. Ein richtiges kleines Menschlein mit allem drin und dran. Wir küssten es und machten Fotos, um ein Andenken zu haben, auch wenn es in der Situation sehr befremdlich und pietätlos erscheint. Im Nachhinein bin ich jedoch sehr froh darüber diese zu haben. 
Ich verlor sehr viel Blut und wurde immer wieder ohnmächtig, so dass mein Mann den Notarzt rief. Dieser verabreichte mir eine Kochsalzinfusion, um das Volumen wieder aufzufüllen. 
2 Tage verbrachte ich kraftlos, schwach und mit starkem Schwindel im "Wochen"-bett, nur leider ohne Kind. Als ich mich stark genug fühlte, um aufzustehen und wir ausreichend Abschied genommen hatten, beerdigten wir unseren Sohn im Garten. 

Bei der Nachkontrolle bei einer anderen Ärztin wurden leider dann jedoch Reste festgestellt, ob Gewebe oder geronnenes Blut konnte sie nicht sagen. Ich müsste eine Periode abwarten und dann erneut kontrollieren lassen, um beurteilen zu können, ob doch noch eine Ausschabung nötig würde! Nein! Das durfte nicht wahr sein, ich hatte so viel auf mich genommen, und nun das?
Ich ging in ein Krankenhaus, von dem ich wusste, dass dieses alternativ aufgestellt ist und nicht so schnell zu einer Operation rät. Dort wurde zunächst mit einem Oxytocin-Tropf versucht künstlich Wehen auszulösen. Der Versuch schlug jedoch fehl und so wurden die Reste mit einer Kanüle und Spritze abgesaugt. Danach war die Gebärmutter leer. 
Um die Voraussetzungen zu optimieren legten mein Mann und ich dann eine Pimpmysperm- und Pimpmyegg-Kur ein. 

6 Zyklen später testete ich wieder positiv und unser Folgewunder  kam im Dezember 2018 auf die Welt. 

Durch meine Geschichte und meine Erfahrungen ist mir bewusst geworden, das das Thema "Fehlgeburt" leider noch ein Tabuthema ist und ich habe gemerkt, wie alleine man als betroffene Frau in dieser Situation ist. Stundenlang habe ich im Internet nach Leidensgenossinnen zum Austausch gesucht. In meinem Umfeld hatte ich keine Ansprechpartnerin diesbezüglich. Das war für mich dann der Punkt, wo ich beschloss etwas tun zu wollen. Im kleinen habe ich die Gastgeberrolle  1 1/2 Jahre in einem Onlineclub für Frauen nach einem Schwangerschaftsverlust übernommen und auch dort von vielen, vielen Schicksalsschläge gehört.  Auch das hat mich noch mehr darin bestärkt eine große Plattform zu gründen, die Frauen in dieser Ausnahmesituation auffangen soll. Keine Frau soll sich mehr hilflos und alleine fühlen müssen.