„Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind“ (Victor Hugo)

Wiederholte Fehlgeburten sind für die betroffenen Frauen und Paare ein äußerst dramatisch- traumatisches Ereignis. Auch wenn sie erfreulicherweise sehr selten sind, so sind sie auch aus rein medizinischer Sicht ein sehr komplexes Problem, weil viele verschiedene Faktoren ursächlich hierfür sein können. Im nachfolgenden sind die wesentlichen Faktoren aufgeführt.
Menschliche Eizellen werden im dritten Embryonalmonat gebildet und altern seit diesem Zeitpunkt mit der betroffenen Frau mit. Das bedeutet, dass sie bei einer 20-jährigen Frau bereits 20 Jahre und 6 Monate alt sind, bei einer 40-jährigen 40 Jahre und 6 Monate. In diesem Umfang altert auch der „Spindelapparat“ mit. Dies ist ein Eizellorgan, das dafür sorgt, dass kurz vor der Befruchtung, nämlich mit dem Auslösen des Eisprungs, die 23 Chromosomenpaare verteilt werden, nämlich auf 23 Chromosomen in der Eizelle und 23 Chromosomen, die ausgeschleust werden (Polkörper). Während die Genetik keinem Alterungsprozess unterliegt, unterliegt der Spindelapparat einem solchen schon, was bedeutet, dass er zunehmend ,,Fehler“ macht. So sind die eigentlich ursprünglich genetisch intakten Eizellen (die den Chromosomensatz jeder Frau korrekt abbilden) nach den Reifeteilungen (Meiose) oft mit Chromosomenfehlverteilungen ausgestattet. Bei einer 40- jährigen Frau sind im Schnitt 50 % aller Eizellen und damit auch Embryonen genetisch auffällig, bei einer 45-jährigen im Schnitt 90 %.
Hinzutreten können auch Chromosomenfehlverteilungen, die einem sozusagen „in die Wiege gelegt“ sind. Hierzu zählen vor allem balancierte Translokationen, bei denen ein Teil eines Chromosoms abbricht und an einem anderen „festklebt“. Obwohl alle Gene erhalten sind und der Träger/ die Trägerin von einer solchen balancierten Translokation damit keine Nachteile haben, ist die Symmetrie des Erbgutes gestört und es treten Chromosomenfehlverteilungen – völlig unabhängig vom Lebensalter- in einem hohen Maße auf. Eher seltener sind sogenannte Satellitenbildungen, die freilich dann oft mit gesundheitlichen Einschränkungen einhergehen.
Infektionen des Genitales können zu Fehlgeburten führen. Besonders problematisch sind Infektionen mit Chlamydien. Wird die Erstinfektion mit Chlamydien nicht erkannt (was nur selten der Fall ist, da sie nur diskrete Symptome machen) besteht ein hohes Risiko, dass diese Erreger, die sich nahezu zu 100 % in den Körperzellen aufhalten, dass diese Erreger sich chronifizieren. Hinzu tritt bei Chlamydien das Problem, dass sie in einer „aberranten Lebensform“ vorkommen, nämlich dass sie in eine Art „Winterschlaf“ übergehen können und es dann immer wieder zu Aktivierungen kommt. Man spricht dann von einer chronisch-rezidivierenden Infektion. Diese zu erkennen ist ausgesprochen schwierig und oft wird mit den gängigen Screening-Untersuchungen über eine solche Infektion „hinweg getestet“. Da es sich um obligat intrazelluläre Erreger handelt, ist eine Behandlung dementsprechend auch schwierig, oft greift eine Erstbehandlung auch nicht, was dann wieder zu einer Chronifizierung führt.
Nicht ganz so problematisch sind andere intrazelluläre Erreger wie Ureaplasmen und Mykoplasmen, doch auch sie können zu Störungen des Implantationsmilieus führen.
In letzter Zeit stark in den Mittelpunkt getreten ist die oberflächliche Keimbesiedlung der Gebärmutterschleimhaut, das Mikrobiom, insbesondere die bakterielle Besiedelung, aber auch die Besiedelung mit Pilzen und – sehr selten – Viren. Die Studienlage ist mittlerweile so, dass man davon ausgehen kann, dass ein Fehlen von Milchsäurebakterien (Milchsäurebakterien wären normal) schon zu Einnistungsstörungen führen kann, ganz besonders gilt das aber wenn pathogene Keime auftreten, und hierzu zählen z.B. Garnerellen, Atopobium, Streptokokken, Hämophilus usw. Mit modernen Untersuchungsmethoden wie z.B. dem NGS (Next Generation Sequencing) lassen sich diese Keimbesiedlung gut erkennen und gegebenenfalls sanieren (Antibiotika plus Zufuhr von Milchsäurebakterien, vor allem intravaginal, aber auch per os (also zum Einnehmen)).
Darüber hinaus gibt es noch andere Infektionskrankheiten, vor allem auch parasitäre, letztlich auch solche, die aus tropischen Ländern „eingeschleppt“ worden sind. Eine umfassende Diagnostik ist diesbezüglich sinnvoll, ebenso eine sehr sorgfältige Anamneseerhebung.
Der Körper kennt eine „Entzündungsschwelle“, reagiert also nicht sofort bei einer fehlerhaften Keimbesiedlung mit Entzündungen. Das gilt auch für das Endometrium. Nimmt die Keimbesiedlung quantitativ und qualitativ zu, also überschreitet sie eine gewisse „Schwelle“ kann es zu chronischen Entzündungen kommen. Ausdruck einer chronischen Entzündung sind Plasmazellen (spezialisierte B-Lymphozyten), die sich dann im Endometrium nachweisen lassen. Freilich, nicht jede Plasmazelle ist ein Problem, insofern spielen vor allem deutlich ausgeprägte chronische Endometritiden (Endometrium = Gebärmutterschleimhaut) eine entsprechende Rolle. Mittlerweile gibt es Empfehlungen für die antibiotische Behandlung solcher chronischer Endometritiden.
Aber auch andere Teile des Immunsystems können mitreagieren. Für die Steuerung der Schwangerschaft spielen insbesondere die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) eine sehr große Rolle, etwa bis zur 16. Schwangerschaftswoche. Das Problem ist, dass NK-Zellen in der Form von „Helferzellen“ auftreten können, aber eben auch „zytotoxisch“ sein können, also aggressiv und damit andere Zellen vernichten. Letztlich sind sie ja Teil des gesamten Immunsystems und nicht nur für den Einnistungsprozess verantwortlich.
Bei einer erhöhten NK-Toxizität oder der Erhöhung von entsprechenden NK-Zellen im Endometrium hat es sich bewährt, mit Lipidinfusionen gegenzusteuern, um die Toxizität bzw. die Attacke der NK-Zellen zu vermindern und deren Funktion in einen Normalbereich zu bringen. Noch effektiver scheinen Immunglobuline zu sein, denn sie besitzen ein breiteres Wirkungsspektrum: stark antientzündlich wirksam, und mit vielen Antikörpern, die auch die Schwangerschaft schützen (Immunglobuline sind ein Antikörperkonzentrat, das auch aus dem Blut von Schwangeren gewonnen wird).
Auch andere Teile des Immunsystems können aktiviert werden, insbesondere die T- Lymphozyten; liegt hier eine deutliche Aktivierung vor (und das führt bereits in den rheumatischen Formenkreis), so kann es hier auch zu Attacken kommen. Man darf nicht vergessen, dass die Gebärmutterschleimhaut mit Immunzellen dicht gepackt ist, schließlich ist sie das Organ, das an einer Körperpforte sitzt und entsprechend auch die Immunabwehr bewerkstelligen muss (so wie es an den anderen Körperpforten auch der Fall ist).
Insbesondere bei länger andauernden chronischen Entzündungen (u.U. auch an anderen Körperstellen) können sich irreguläre Antikörper gegen Zellbestandteile, vor allem gegen Membranen und deren Bestandteile bilden. Stichwort: Antiphospholipid-Antikörper. Treten solche auf, so können sie vor allem in höheren Konzentrationen zu Schwangerschaftskomplikationen, wie Aborten, führen, sie können auch in der späteren Schwangerschaft vorzeitige Blasensprünge und Frühgeburten hervorrufen.
Offensichtlich gilt das auch – vor allem in höheren Konzentrationen – für Schilddrüsenantikörper: Da zwischen dem Trophoblasten (der frühen Plazenta) und dem Schilddrüsengewebe große biochemische und histomorphologische (feingewebliche) Übereinstimmungen bestehen, binden diese Antikörper eben auch an den Trophoblasten (Plazenta) und können Störungen seiner Perfusion hervorrufen, gegebenenfalls auch diskrete Entzündungen.
Die Behandlung des Antiphospholipid-Syndroms erfolgte in typischer Weise mit Heparin (niedrig dosiert) und ASS (100-150 mg).
Alle kernhaltigen Körperzellen sind durch ein besonderes Erkennungssystem gekenn- zeichnet, das sogenannte HLA-System (Begriff kommt von ,,humane Leukozyten Antigene“). Es ist im Gegensatz zu den Blutgruppen ein äußerst komplexes System mit vielen Hauptgruppen und Untergruppen. Im Gegensatz zur Organtransplantation, bei der es da- rauf ankommt, dass die HLA-Identifikation zwischen Empfänger und Spender möglichst identisch ist, ist es bei der Schwangerschaft genau anders herum: Der Embryo sollte möglichst fremd sein, damit seine Existenz möglichst rasch mit Eintreffen in der Gebärmutter erkannt wird. Denn: Erst wenn die Anwesenheit des Embryos erkannt wird, können alle Unterstützungsfunktionen, vor allem die Induktion des Wachstums beginnen. Dass ein Embryo dann nicht abgestoßen wird, hängt damit zusammen, dass er sich gewissermaßen hinter dem Trophoblasten (der Plazenta) versteckt und auf der Oberfläche dieses Trophoblasten viele weitere HLA-Gruppen zu finden sind, wie z.B. HLA-E, -F, G, – H, -J, die dem Immunsystem quasi zeigen, dass es sich hier um einen Embryo handelt; gleichzeitig führen diese Gruppen auch zu einer sehr effektiven Unterdrückung von Immunreaktionen.
Bestehen rein zufällig hohe Übereinstimmungen im HLA-System des Paares, dann kann es passieren, dass das Immunsystem der Frau die Anwesenheit eines Embryos nicht mehr erkennt. Dementsprechend kommen die Unterstützungsfunktionen nicht oder nur zögerlich in die Gänge, was oft an einem verzögerten embryonalen Wachstum (im Ultraschall) zu erkennen ist.
Eine weitere Bedeutung im HLA-System hat die Gruppe C: Diese Gruppe, die sich sowohl auf Membranen befindet, als auch löslich ist, diese Gruppe verwendet der Embryo um mit dem mütterlichen Immunsystem in Kontakt zu treten und dieses spezifisch zu aktivieren. Das kann freilich nur mit der HLA-C-Gruppe passieren, die fremd ist, also von dem werdenden Vater kommt (Ausnahme: Eizell- oder Embryonenspende: hier wäre auch die HLA-C-Gruppe der Spenderin fremd). Bestehen hier große Übereinstimmungen, kann auch dieser Prozess nicht funktionieren, leider gibt es allerdings auch eine Reihe von HLA-C-Gruppen, die nur schwach wirksam sind. Diese sind bekannt. Auch hier kann es dann zu Kommunikationsproblem kommen.
Bestehen solche Kommunikationsprobleme, ergibt sich die Indikation zur Substitution mit Wachstumsfaktoren, wobei dies im Wesentlichen der G-CSF (Granulozyten Kolonie- stimulierender Faktor) ist, da die anderen Wachstumsfaktoren nicht als Medikament vorliegen. In gewisser Weise kann dies auch durch Immunglobuline passieren, da sich in diesen Antikörperkonzentraten viele Wachstumsfaktoren (auf der Basis von Stammzellen) finden können.
In jüngster Zeit sind Publikationen bekannt geworden, die zeigen, dass sich im Rahmen vorangegangener Schwangerschaften Antikörper gegen den Trophoblasten bilden. In Sonderheit sind dies Antikörper gegen einen bestimmten Enzymkomplex, nämlich die alpha-Enolase. Treten solche Antikörper auf, bzw. sind sie nachzuweisen, so ist die derzeitige Empfehlung die Gabe von Lipidinfusionen (grundsätzlich sind auch Immunglobuline möglich), allerdings weitaus länger als bei einer erhöhten NK-Toxizität, nämlich bis in die 32. oder sogar 36. Schwangerschaftswoche.
Diese vorstehende Übersicht spiegelt nur die wichtigsten Faktoren wieder, natürlich gibt es auch anatomische Besonderheiten, die im Einzelfall korrigiert werden müssen, hierzu zählen Fehlbildungen, Myome, und insbesondere die Endometriose, vor allem wenn sie sehr aktiv und damit entzündlich-aktiv ist. Freilich, diese anatomischen Faktoren sind schon seit längerer Zeit bekannter und werden in aller Regel schon bei der Erstdiagnostik berücksichtigt und saniert.
Im Zusammenhang mit der Endometriose gewinnt mittlerweile auch die Adenomyose an Bedeutung, zumal Frauen mit Kinderwunsch immer älter werden und sich damit naturgemäß auch die Adenomyose in den Vordergrund schiebt. Bis jetzt ist noch nicht ganz klar, wie man mit den einzelnen Stadien einer Adenomyose umgeht, also ob man dies eher medikamentös angeht oder operativ, und wenn ja, in welchem Umfang und mit welcher Technik. Eines ist freilich klar, insbesondere die tief infiltrierende und aggressive Endometriose bedarf einer Sanierung, ggf. sogar mehrfach.
In den Vordergrund getreten sind bei den anatomischen Faktoren neuerdings das Asherman-Syndrom (intrauterine Verwachsungen), vor allem bei Zustand nach Abortkürettagen. Es gibt Publikationen, wonach das Asherman-Syndrom bis zu 30 % nach Kürettagen zu finden ist. Ein zweites Problem ist das Auftreten der Isthmocele („Nische“) bei Zustand nach vorangegangener Sectio. Hierunter versteht man eine nach innen klaffende Höhle, in der sich nicht selten auch auffällige Keime oder sogar die Ursache für eine Entzündung finden lässt. Liegt eine größere „Nische“ vor, so sollte diese sorgfältig saniert werden, insbesondere auch unter Berücksichtigung dann einer eventuellen chronischen Endometritis oder einer entsprechenden Keimbesiedlung.
Interessanterweise gibt es ganz neue Publikationen, die darauf hindeuten, dass insbesondere entzündliche und schmerzhafte Endometriosen auch keimbesiedelt sein können. Hier wird man weitere Ergebnisse abwarten müssen.
Während man früher der Meinung war, dass wiederholte Aborte vor allem durch psychologische (Fehl-) Mechanismen ausgelöst werden, ist man heutzutage von dieser Meinung abgekommen. Der Grund hierfür ist u.a. die höchst unerfreuliche Tatsache, dass die Schwangerschaftsrate nach Vergewaltigungsdelikten relativ hoch ist und umgekehrt, dass die Abortrate in der Wartezeit zu Schwangerschaftsabbrüchen keine Erhöhung zeigt. Insofern muss man davon ausgehen, dass „psychischer Stress“ gerade bei der Zeugung und im ersten Trimenon anders zu interpretieren ist, als das bisher der Fall war.
Das ändert sich natürlich in dem Maße, in dem der Embryo oder Fet selbst empfänglich für Stresssignale wird, wobei man hier immer unterscheiden muss zwischen akutem und chronischem Stress und Dis- und Eustress (also schlechtem und gutem Stress).
Was aber definitiv der Fall ist: Frauen und Paare mit wiederholten Fehlgeburten zeigen reaktiv stets erhebliche Ängste im Rahmen einer erneuten Schwangerschaft. Das ist leicht nachvollziehbar, da ja die Erlebnisse aus vorangegangenen Schwangerschaften, höchst negativ waren. Insofern ist es schon zu empfehlen, diese Paare intensiv zu be- treuen, wobei es nicht nur um Ultraschall und Blutabnahmen geht, sondern auch immer um das Gespräch, um die entsprechenden Frauen bzw. Paare zu stabilisieren. Vor diesem Hintergrund gewinnt das frühere Konzept des Tender-loving-care (TLC) wieder eine Bedeutung und sollte trotz aller medikamentösen Interventionsmöglichkeiten in keinster Weise außer Acht gelassen werden. Zudem zeigt sich, dass Frauen mit wiederholten Fehlgeburten, eventuell auch Spätaborten, meist genau bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem die längst laufende Schwangerschaft gegangen ist, stark unter genau diesen Verlustängsten leiden und auch eine deutliche Neigung zu Hypochondrie zeigen. Das ist aber keine „psychische Fehlstellung“, sondern nur eine sehr natürliche Reaktion auf zuvor ergangene traumatische Erlebnisse.
verfasst und medizinisch geprüft durch: Prof. Dr. Dr. W. Würfel, Facharzt für Gynäkologie, Kinderwunschcentrum München, www.ivf-muenchen.de, aktualisiert am 2025/11/25
Damit eine Schwangerschaft entstehen kann, muss sich der halbfremde Embryo (genetisch und immunologisch halb Vater, halb Mutter) in der Gebärmutter einnisten. Dieser Prozess wird nicht nur durch Hormone, sondern auch durch das Immunsystem der Mutter gesteuert.
Zwei wichtige Faktoren spielen dabei eine Rolle:
Wenn die HLA-C Signatur des Embryos und KIR-Status der Mutter zusammenpassen, kann sich der Embryo besser einnisten.
Auch wenn Mutter und Vater gleich bleiben, erbt jedes Kind eine andere Mischung ihrer Gene. Das bedeutet:
Wenn es in einem Zyklus nicht zu einer Schwangerschaft kommt, sind dafür meistens genetische Faktoren verantwortlich (Meiose- und Mitosefehler). Es kann aber auch vorkommen, dass aus den oben genannten immunologischen Gründen manche Zyklen (auch bei künstlicher Befruchtung) nicht zu einer Schwangerschaft führen. Das liegt dann nicht daran, dass „etwas grundsätzlich nicht stimmt“ – sondern an der Zufallskombination der Gene, die bei jedem Embryo unterschiedlich ausfällt.
In seltenen Fällen kommt es zu einer stärkeren Abbremsung der Einnistung.
Dies betrifft vor allem Frauen mit einem bestimmten KIR-Typ („KIR-AA“) ohne (immer so, da genetisch determiniert) aktivierende Killerzellrezeptoren, die Embryonen in sich tragen, die vom Vater einen bestimmten HLA-C-Typ geerbt haben („C1“, nicht immer, von Embryo zu Embryo unterschiedlich). Diese Kombination kann dazu führen, dass die Gebärmutterschleimhaut die Einnistung verhindert oder erschwert und dann die Plazentaentwicklung zu stark hemmt, was in der Schwangerschaft zu Fehlgeburten oder Schwangerschaftskomplikationen führen kann (so genannte Gestosen).
Wichtig, diese Kombination ist kein absoluter Ausschluss für eine Schwangerschaft – viele Frauen mit dieser Kombination werden völlig komplikationslos schwanger, da viele weitere Faktoren dabei eine Rolle spielen, wie gut sich ein Embryo einnistet (Embryovitalität).
Die Bestimmung von der KIR-Gene kann in folgenden Fällen sinnvoll sein:
Die KIR-Typisierung (Blutuntersuchung) ist wichtiger als die HLA-C-Typisierung.
In den oben genannten Situationen hilft das Verständnis der immunologischen Konstellationen, mögliche Ursachen einzugrenzen und die weitere Behandlung entsprechend anzupassen, z.B. durch die Gabe von besonderen Medikamenten, die Wachstumsfaktoren enthalten, die von den Killerzellen bei ungenügender Aktivierung unzureichend produziert werden (G-CSF). Man kann die Behandlung darüber hinaus optimieren, z. B.
Wichtig ist, dass es nicht darum geht, das Immunsystem zu unterdrücken, sondern seine Balance wieder aufzubauen.
Abb.: Der vitale Embryo hat gute Einnistungschancen auch bei ungünstigen Verhältnissen (defensives Endometrium). Der eingeschränkt vitale Embryo braucht für eine erfolgreiche Schwangerschaft beste Einnistungsbedingungen (rezeptives Endometrium). Es ist für beim Menschen normal, dass die allermeisten Embryonen eine eingeschränkte Vitalität haben.

verfasst und medizinisch geprüft durch: Prof. Dr. C. Gnoth, Facharzt für Gynäkologie, Kinderwunsch-Zentrum Grevenbroich, www.green-ivf.de, aktualisiert am 2025/12/12
Eine Fehlgeburt ist für viele Betroffene ein tief einschneidendes Ereignis. Neben
Trauer und Verunsicherung tauchen häufig Fragen nach möglichen Ursachen auf –
insbesondere dann, wenn es zu wiederholten Fehlgeburten kommt oder keine
eindeutige Erklärung gefunden wird. In den letzten Jahren ist dabei ein neues
Forschungsfeld in den Fokus gerückt: das Mikrobiom des weiblichen Genitaltrakts.
Dieser Artikel soll verständlich erklären, was mit dem vaginalen und endometrialen
Mikrobiom gemeint ist, warum Mikroorganismen für eine Schwangerschaft relevant
sein könnten und was die Wissenschaft dazu derzeit weiß – und was noch nicht.
Der menschliche Körper ist von einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt. Dazu
gehören Bakterien, aber auch Viren und Pilze. Diese gesamte DNA dieser
Mikroorganismen werden als Mikrobiom bezeichnet. Sie leben in einer engen
Wechselbeziehung mit unserem Körper und übernehmen wichtige Aufgaben – zum
Beispiel beim Schutz vor Krankheitserregern oder bei der Regulation des
Immunsystems.
Je nach Körperregion unterscheidet sich das Mikrobiom deutlich. Während im Darm
eine große Vielfalt an Mikroorganismen als Zeichen von Gesundheit gilt, ist das im
Vaginalbereich anders.
In einer gesunden Vagina wird das Mikrobiom meist von sogenannten Laktobazillen
dominiert. Diese Bakterien produzieren Milchsäure und sorgen so für ein saures
Milieu. Dieses schützt vor dem Eindringen und der Vermehrung schädlicher Keime.
Kommt es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichts – einer sogenannten
vaginalen Dysbiose -, nehmen andere Bakterienarten überhand. Das kann mit
Beschwerden einhergehen, muss es aber nicht. Studien zeigen, dass eine solche
Dysbiose häufiger bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder ungünstigen
Schwangerschaftsverläufen beobachtet wird. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass
Studien gezeigt haben, dass das Mikrobiom dynamisch ist, sich also im Laufe des
Zyklus verändern kann und somit eine einzelne Mikrobiomanalyse häufig nicht
aussagekräftig ist.
Auch bei Fehlgeburten, insbesondere bei frühen und sporadischen Verlusten, wurde
wiederholt ein Zusammenhang mit einer verminderten Dominanz von Laktobazillen
beschrieben. Wichtig ist dabei: Diese Beobachtungen zeigen Zusammenhänge,
beweisen aber keine direkte Ursache.
Lange Zeit ging man davon aus, dass die Gebärmutterhöhle steril ist. Moderne
molekulare Methoden haben jedoch gezeigt, dass auch in der
Gebärmutterschleimhaut Mikroorganismen nachweisbar sind. Dieses sogenannte
endometriale Mikrobiom ist deutlich weniger dicht besiedelt als die Vagina und
deshalb besonders schwierig zu untersuchen.
Einige Studien legen nahe, dass auch hier eine veränderte bakterielle
Zusammensetzung mit ungünstigen Schwangerschaftsverläufen in Verbindung
stehen könnte – etwa mit Problemen bei der Einnistung oder mit Fehlgeburten.
Andere Arbeiten kommen jedoch zu abweichenden Ergebnissen. Gründe dafür sind
unter anderem unterschiedliche Untersuchungsmethoden, sehr kleine
Bakterienmengen und die Schwierigkeit, eine unbeabsichtigte Mitübertragung von
Scheidenbakterien sicher auszuschließen.
Zusammengefasst gilt: Dass es negative Auswirkungen haben kann, wenn es
Mikroorganismen im Endometrium gibt, ist heute weitgehend anerkannt. Welche
Zusammensetzung „gesund“ ist und welche klinische Bedeutung sich daraus ergibt,
ist derzeit jedoch noch weitestgehend unklar.
Damit eine Schwangerschaft entstehen und erhalten bleiben kann, muss das
Immunsystem eine besondere Balance finden: Es soll den Embryo tolerieren, ohne
den Schutz vor Infektionen zu verlieren. Das lokale Mikrobiom kann diese Balance
beeinflussen.
Bestimmte Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte stehen in enger
Wechselwirkung mit Immunzellen in der Gebärmutter und der Vaginalschleimhaut.
Veränderungen im Mikrobiom könnten daher theoretisch auch zu einer veränderten
Immunantwort beitragen. Ob und in welchem Ausmaß dies tatsächlich eine
Fehlgeburt begünstigt, ist Gegenstand aktueller Forschung.
Auch wenn das Thema Mikrobiom viel Aufmerksamkeit erhält, ist es wichtig, die bisherigen Erkenntnisse realistisch einzuordnen: Die meisten Fehlgeburten – insbesondere einzelne frühe Verluste -entstehen unabhängig vom Mikrobiom, häufig durch zufällige genetische Veränderungen des Embryos.
Zwar zeigen Studien Zusammenhänge zwischen einer veränderten vaginalen Bakterienzusammensetzung und Fehlgeburten, daraus lassen sich derzeit jedoch noch keine Therapieempfehlungen ableiten.
Untersuchungen des vaginalen und endometrialen Mikrobioms sollten bislang kein Bestandteil der routinemäßigen Fehlgeburten-Diagnostik sein. Eine gezielte Behandlung „des Mikrobioms“, etwa mit Antibiotika oder Probiotika, kann aktuell außerhalb von Studien nicht empfohlen werden.
Die Forschung zum vaginalen und endometrialen Mikrobiom eröffnet neue
Perspektiven für das Verständnis von Fehlgeburten – insbesondere dort, wo bisher
keine klare Ursache gefunden wird. Gleichzeitig steckt dieses Forschungsfeld in
vielen Bereichen noch in den Anfängen.
Für Betroffene ist wichtig zu wissen: Eine Fehlgeburt ist kein Zeichen persönlichen
Versagens. Auch ein auffälliges Mikrobiom ist kein unumkehrbares Problem und kein
Beweis dafür, dass eine gesunde Schwangerschaft nicht möglich ist. In den meisten
Fällen bleiben die Chancen auf ein Kind gut.
Zukünftige Studien werden zeigen müssen, ob und wie mikrobiologische Befunde
sinnvoll in Diagnostik und Therapie integriert werden können. Bis dahin gilt: Eine
individuelle ärztliche Beratung, eine sorgfältige Abklärung bekannter Risikofaktoren
und eine gute Begleitung sind die tragenden Säulen nach einer Fehlgeburt.
1. Sollte ich mein vaginales oder endometriales Mikrobiom nach einer
Fehlgeburt testen lassen?
Derzeit kann eine routinemäßige Mikrobiom-Diagnostik nach wiederholten
Fehlgeburten nicht empfohlen werden. Zwar zeigen Studien Zusammenhänge
zwischen einer veränderten Bakterienzusammensetzung und Fehlgeburten, doch ist
bislang unklar, welche Befunde tatsächlich behandlungsbedürftig sind – und welche
Behandlung die richtige ist.
2. Kann eine bakterielle Fehlbesiedelung der Vagina eine Fehlgeburt
verursachen?
Eine vaginale Dysbiose wird zwar häufiger bei ungünstigen
Schwangerschaftsverläufen beobachtet, sie ist jedoch nach aktuellem Wissensstand
nicht die alleinige Ursache einer Fehlgeburt. Ob zum Beispiel ein gestörtes
Immunsystem zu einer Dysbiose geführt hat oder umgekehrt ist noch weitgehend
ungeklärt.
3. Gibt es Behandlungen, um das Mikrobiom gezielt zu verbessern?
Hier ist es wichtig, zwei Dinge klar zu unterscheiden: klassische vaginale Infektionen
und das Mikrobiom im engeren Sinn.
Erkrankungen wie eine bakterielle Vaginose oder eine aerobe Vaginitis sind klar
definierte klinische Diagnosen. Sie werden mithilfe von Symptomen,
mikroskopischen Untersuchungen oder gezielten mikrobiologischen Tests gestellt,
nicht durch eine umfassende Mikrobiomanalyse. Liegt eine solche Erkrankung vor,
ist eine gezielte medizinische Behandlung sinnvoll und etabliert.
Davon zu unterscheiden ist der Versuch, das vaginale oder endometriale Mikrobiom
ohne eine solche Diagnose gezielt zu „optimieren“. Für diesen Ansatz gibt es derzeit
keine evidenzbasierte Therapie im Hinblick auf die Vermeidung von Fehlgeburten
oder Fertilitätsstörungen. Der Einsatz von Antibiotika oder Probiotika ohne klare
Indikation wird daher nicht empfohlen, da er das empfindliche Gleichgewicht des
Mikrobioms sogar stören kann.
4. Kann ich selbst etwas für ein gesundes vaginales Mikrobiom tun?
Ein schonender Umgang mit dem Intimbereich ist sinnvoll. Dazu gehören der
Verzicht auf Intimspülungen, aggressive Reinigungsprodukte und unnötige
Antibiotika. Auch hormonelle Schwankungen, Stress oder häufige Infektionen
können das Mikrobiom beeinflussen – vieles davon lässt sich jedoch nur begrenzt
steuern und ist kein persönliches Versagen.
verfasst und medizinisch geprüft durch: PD Dr. Dr. K. Vomstein und Prof. Dr. R.-J. Kuon, Fachärzte für Gynäkologie, Fertia Health GmbH Heidelberg; aktualisiert am 2026/02/01
Eine Fehlgeburt ist für viele Betroffene ein tiefgreifendes Erlebnis – sowohl körperlich als auch emotional. Der Wunsch nach einer erneuten Schwangerschaft ist häufig vorhanden und geht nicht selten mit Unsicherheit, offenen Fragen und der Sorge vor einer Wiederholung einher. Unabhängig davon, ob eine einzelne oder mehrere Fehlgeburten vorausgegangen sind, soll dieser Artikel medizinische Zusammenhänge verständlich einordnen, zur Einordnung der eigenen Situation beitragen und eine fundierte Grundlage für die weitere Planung bieten.
Nach einem Schwangerschaftsverlust fällt es vielen Frauen schwer, dem eigenen Körper wieder zu vertrauen. Häufig entstehen Fragen danach, ob etwas hätte anders gemacht werden können oder ob der Körper in der Lage ist, eine gesunde Schwangerschaft zu tragen.
Diese Gedanken sind verständlich und Ausdruck der verarbeiteten Erfahrung.
Die medizinisch beruhigende Nachricht lautet: In den meisten Fällen erholt sich der Körper gut, und eine erneute Schwangerschaft kann problemlos verlaufen. Fehlgeburten stehen nahezu immer in keinem Zusammenhang mit dem Verhalten der betroffenen Frau.
Insbesondere wenn sie einmalig auftreten, sind sie häufig auf zufällige genetische
Auffälligkeiten des Embryos zurückzuführen, die nicht beeinflussbar sind. Sie stellen daher keinen Hinweis darauf dar, dass grundsätzlich etwas „nicht stimmt“ oder dass der Körper versagt hat.
Nach einer frühen Fehlgeburt normalisiert sich der Zyklus häufig rasch. Die erste
Menstruation tritt meist etwa 5–6 Wochen nach der Fehlgeburt ein, abhängig vom
Schwangerschaftsalter. Der erste Eisprung kann bereits 8–10 Tage nach der Fehlgeburt
stattfinden, bei rund 90 % der Frauen innerhalb eines Monats. Wie schnell sich der Zyklus stabilisiert, ist individuell – der Körper findet dabei seinen eigenen Rhythmus.
Wichtig zu wissen ist, dass der Eisprung nach einer Fehlgeburt oft früher einsetzen kann als erwartet. Wenn eine erneute Schwangerschaft zunächst nicht gewünscht ist, sollte daher auf eine zuverlässige Verhütung geachtet werden.
Der richtige Zeitpunkt für eine erneute Schwangerschaft ist individuell und hängt sowohl von medizinischen als auch von emotionalen Faktoren ab.
Nach mehreren Fehlgeburten gewinnt die gezielte Vorbereitung an besonderer Bedeutung,da mit zunehmender Anzahl an Fehlgeburten die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein oder mehrere zugrunde liegende Risikofaktoren vorliegen. Vor einer erneuten Schwangerschaftsollte daher idealerweise eine vollständige Fehlgeburten-Diagnostik abgeschlossen sein.
Diese kann in der Regel nach zwei oder spätestens nach drei Fehlgeburten durchgeführt
werden. Mögliche Ursachen – etwa hormonelle Störungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut – sollten nach Möglichkeit bereits vor einer erneuten Schwangerschaft identifiziert und gezielt behandelt werden.
In dieser Phase wird häufig empfohlen, vorübergehend zu verhüten, um optimale
Voraussetzungen für eine kommende Schwangerschaft zu schaffen. Sobald alle relevanten Befunde vorliegen und gegebenenfalls behandelt wurden, kann eine erneute Schwangerschaft – idealerweise in ärztlicher Abstimmung – erfolgen.
Neben der körperlichen Vorbereitung spielt auch das emotionale Empfinden eine zentrale Rolle. Während manche Frauen den Wunsch haben, rasch wieder schwanger zu werden, benötigen andere mehr Zeit zur Verarbeitung des Erlebten. Beide Wege sind gleichermaßen richtig.
Nach einer Fehlgeburt ist die Sorge um die eigenen Chancen verständlich. Für die Mehrheit der Frauen bleiben die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft sehr gut, und die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, ist weiterhin hoch.
Für Frauen um das 35. Lebensjahr liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste
Schwangerschaft erfolgreich verläuft, bei etwa 80 %. Eine einzelne Fehlgeburt ist also meist kein Hinweis auf ein dauerhaft erhöhtes Risiko. Mit zunehmendem Alter sinkt die
Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft allmählich. Dennoch bleibt auch in höheren Altersgruppen die Möglichkeit einer gesunden Schwangerschaft realistisch.
Die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft nach mehreren Fehlgeburten hängen von verschiedenen Faktoren ab und können nicht pauschal in eine absolute
Wahrscheinlichkeit umgerechnet werden. Der Wunsch nach einer klaren Einschätzung ist nachvollziehbar, auch wenn die tatsächliche Situation häufig komplex ist.
Eine wichtige Rolle spielt, ob in der Fehlgeburten-Diagnostik ein behandelbarer Risikofaktor identifiziert werden konnte. Das Alter und die Anzahl der bisherigen Fehlgeburten sind ebenfalls wichtige Faktoren, die die Chancen beeinflussen.
Zur groben Einordnung: Bei einem Alter von 30 Jahren und drei vorausgegangenen
Fehlgeburten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Schwangerschaft bei etwa 73 %. Nach fünf Fehlgeburten beträgt sie in diesem Alter noch rund 56 %. Bei 40-jährigen Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit nach drei Fehlgeburten bei etwa 43 %. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft häufig höher sind, als sie nach wiederholten Verlusten subjektiv eingeschätzt werden – auch wenn der weitere Weg mit Unsicherheiten verbunden sein kann.
Wissenschaftler haben ein Modell entwickelt, das eine erste Orientierung zu individuellen Erfolgsaussichten geben kann. Dieses berücksichtigt Faktoren wie Alter und bisherige Schwangerschaften. Auch wenn es nicht alle persönlichen Aspekte einbezieht, kann es helfen, die Chancen besser einzuschätzen. Hier geht’s zum Rechner:
https://pavlev.shinyapps.io/lbcalculator/
Eine gezielte medizinische und persönliche Vorbereitung kann dazu beitragen, Risiken
frühzeitig zu erkennen, offene Fragen zu klären und mit mehr Sicherheit in eine erneute Schwangerschaft zu gehen.
Nach einer einmaligen frühen Fehlgeburt istin der Regel keine spezielle Fehlgeburten-Diagnostik erforderlich. Dennoch kann essinnvoll sein, allgemeine Risikofaktoren zu überprüfen und auf günstige Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft zu achten. Dazu zählen unter anderem eine ausreichende Folsäurezufuhr, eine ausgewogene Ernährung, ein gesundes Körpergewicht, ein vollständiger Impfstatus, regelmäßige Bewegung, Maßnahmen zur Stressreduktion sowie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol.
Nach wiederholten Fehlgeburten oder bei bestimmten Risikofaktoren empfehlen
medizinische Leitlinien im Rahmen einer Fehlgeburten-Diagnostik gezielte
Untersuchungen. Dazu zählen unter anderem Abklärungen hormoneller Faktoren,
wie beispielsweise der Schilddrüsenfunktion, genetische Untersuchungen, die
Beurteilung der Gebärmutter, sowie Aspekte des Immunsystems und des
Stoffwechsels.
Nach wiederholten Fehlgeburten kann ein schriftlicher Behandlungsplan helfen, ein Stück Sicherheit zurückzugewinnen. Darin kann festgehalten sein, welche Medikamente gegebenenfalls notwendig sind, in welcher Dosierung und welche Kontrollen geplant sind. Zu wissen, dass die nächsten Schritte bereits bedacht sind, kann entlastend wirken und Halt geben, wenn ein positiver Schwangerschaftstest vorliegt.
Eine frühzeitige Absprache über die Begleitung in der nächsten Schwangerschaft – gegebenenfalls auch in Zusammenarbeit mit spezialisierten Zentren – kann Ängste reduzieren.
Ängste in einer Folgeschwangerschaft sind häufig und nachvollziehbar. Psychologische Begleitung, Hebammen, Beratungsstellen oder spezialisierte
Programme können entlastend wirken. Auch eine offene Kommunikation innerhalb
der Partnerschaft wirkt nachweislich unterstützend.
Unterstützung und Wissen in der Fertia App
Viele der hier angesprochenen Informationen rund um Schwangerschaftsverluste sind auch gebündelt in der Fertia App verfügbar. Die App ist kostenfrei und stellt fundierte
medizinische sowie mentale Inhalte und Kurse bereit, die speziell auf die Situation nach
einem Schwangerschaftsverlust ausgerichtet sind. Sämtliche Inhalte wurden von Ärztinnen, Ärzten und Psychologinnen entwickelt. Ergänzend steht ein kostenloser AI-Guide als Informationstool zur Verfügung, der bei Fragen unterstützt und Orientierung geben kann.
Die Fertia App versteht sich als begleitendes Angebot in einer herausfordernden
Lebensphase und ist im App Store sowie im Play Store erhältlich. http://app.fertia.de/Fertia
verfasst und medizinisch geprüft durch: Prof. Dr. R.-J. Kuon und PD Dr. Dr. K. Vomstein, Fachärzte für Gynäkologie, Fertia Health GmbH Heidelberg, aktualisiert am 2026/01/20
Nicht selten sind gerade die Aborte in der Frühschwangerschaft für die Betroffenen mit einer erheblichen psychischen Belastung verbunden. Diagnostisch werden die Hormonsituation der Mutter, das mütterliche Gerinnungssystem, eine genetische Untersuchung beider Elternteile sowie eine Prüfung der Spermaqualität des Mannes (Spermiogramm) durchgeführt, um mögliche Ursachen in diesen Bereichen diagnostizieren und gegebenenfalls therapieren zu können. Eine zentrale Rolle bei der Austragung eines Kindes spielt jedoch das mütterliche Immunsystem, was ebenso wie die oben genannten Faktoren einer Diagnostik unterzogen werden kann, um es dann therapeutisch zu beeinflussen.
In einer Schwangerschaft muss das Immunsystem der werdenden Mutter eine für sie und den Embryo überlebenswichtige Leistung vollbringen, in dem es von Beginn der Schwangerschaft mit der Befruchtung der Eizelle bis zur Geburt Toleranz gegenüber dem für den mütterlichen Organismus fremden Antigen induziert.
Da die Eizelle nach der Befruchtung einen diploiden Chromosomensatz trägt, der zur Hälfte jeweils aus dem mütterlichen und väterlichen Genmaterial besteht, erfüllt die befruchtete Eizelle für das Immunsystem der Mutter die Kriterien eines Allotransplantats, also eines Transplantats eines Individuums derselben Spezies.
Die konventionelle Vorstellung der Funktion des menschlichen Immunsystems ging davon aus, dass das Immunsystem nur zwischen dem eigenen Selbst und fremdem Antigen unterscheiden könne.
Würde dies zutreffen, so wäre eine Schwangerschaft unmöglich. Darüberhinaus käme es zum Beispiel permanent zu Entzündungen im Gastrointestinaltrakt, da, diese Vorstellung zugrunde gelegt, die physiologische Darmflora, die ebenso aus fremden Mikroorgansimen besteht, einem dauerhaften Abwehrprozess des menschlichen Immunsystems unterliegen würde.
Um also eine Schwangerschaft zu ermöglichen (sowie auch die für bestimmte Prozesse notwendigen Mikroorganismen nicht permanent zu eliminieren) haben sich im Laufe der Evolution bestimmte Meachnismen, insbesondere im spezifischen Immunsystem entwickelt, die eine Coexistenz von fremdem Antigen im menschlichen Organismus ermöglichen.
Bereits während der Reifung der B-Zellen im Knochenmark, die später die Produktion der Immunglobuline übernehmen, sowie der T-Zellen anfangs im Knochenmark, später im Thymus, greifen verschiedene Selektionskriterien, die zum einen sicher stellen sollen, daß eine möglichst große Vielfalt an Zellen heranreifen kann, die viele potentiell gefährliche Erreger zukünftig erkennen können, auf der anderen Seite jedoch das eigene Selbst nicht als gefährlich einstufen und es permanent angreifen, wie es zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist. Diese Auswahlkriterien während der Zellreifung werden auch als zentrale Toleranz bezeichnet.
Da sich jedoch das Immunsystem nicht auf jedes mögliche zukünftige Antigen schon in der Phase der zentralen Toleranz adaptieren kann, unterliegen insbesondere die T-Zellen auch nach der Migration aus dem Thymus einem Regulierungsprozess, der auch als periphere Toleranz bezeichnet wird und für die Schwangerschaft eine entscheidende Rolle spielt.
Eine wichtige Aufgabe fällt dabei den sog. „Antigen präsentierenden Zellen“ (APC) (in der Haut auch als Langerhans`sche Zellen bekannt) zu. Funktion dieses Zelltyps ist, wie der Name schon sagt, die Aufnahme fremden Antigens und die Präsentation dieses Antigens im nächstgelegenen Lymphknoten gegenüber dem T-Zellsystem, um eine Reaktion des Immunsystems entweder in Form von Zellproliferation und Immunglobulinsynthese (Abwehr), Toleranz oder Anergie (Ignoranz) auszulösen. Ist das präsentierte Antigen harmlos, bekommen die APC nur das Signal „Antigen erkannt“. Signal 1 wird nicht aktiviert, das Antigen wird den CD4+-T-Zellen präsentiert und ignoriert (Anergie).
Dieser Mechanismus ist jedoch sehr instabil. Erhalten die APC zusammen mit dem Antigen ein zweites costimulatorisches Signal (Signal 2), so werden die APC aktiviert und können dann bei der Antigenpräsentation gegenüber dem T-Zellsytem in Abhängigkeit vom dritten Stimulus (Signal 3) entweder eine offensive Reaktion des Immunsystems oder eine Toleranz induzieren. Dieser Toleranzmechanismus ist zwingend während einer Schwangerschaft erforderlich, um die befruchtete Eizelle und später den Embryo nicht zu gefährden, was unter Umständen zu einer Beendigung der Schwangerschaft bereits in der frühen Phase führt. Die Toleranz induzierenden Zellen werden als regulatorische T-Zellen bezeichnet und haben den Phänotyp
CD4+/CD127-/CD25+ und sind FoxP3 positiv. Der zahlenmäßig größte Teil der regulatorischen T-Zellen wird über das dritte costimulatorische Signal an die APC generiert. So führen die Signale Interleukin-10 und TGF-Beta, typische antiinflammatorische (TH2) Zytokine, über die APC zur Bildung regulatorischer T-Zellen, die für die Schwangerschaft notwendig sind. TNF-alpha und Interleukin-6 hingegen, auch als proinflammatorische Zytokine (TH1-Zytokine) oder„dangerous signale“ bezeichnet, führen zu einer Zellproliferation im Sinne einer aggressiven Antwort, die selbstverständlich sinnvoll ist und benötigt wird, um für den humanen Organsimus gefährliche Mikroorgansmen zu bekämpfen, respektive Tumorzellen zu eliminieren oder Altvirusinfektionen zu kontrollieren.
Entgegen der Vermutung, eine Reaktion des Systems findet erst ab dem Zeitpunkt der Einnistung einer Eizelle in den Uterus statt, ist jedoch davon auszugehen, dass eine Entscheidung zwischen Toleranz und Abstoßung zeitlich früher erfolgt. So
vergehen von der Befruchtung einer Eizelle bis zu deren Einnistung im Uterus, oder auch vom Transfer einer befruchteten Eizelle bei der assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung, bis zu einer Einnistung in der Regel 3 Tage. Setzt man die befruchtete Eizelle mit einem Mikroorganismus gleich, dann würde es in Analogie bedeuten, dass Immunsystem ließe sich 3 Tage Zeit eine Antwort zu induzieren.
In dieser Zeit könnten Mikroorgansimen bereits aufgrund ihrer hohen Teilungsfrequenz eine unter Umständen bedrohliche Konzentration im Organismus erreicht haben. Daher kann davon ausgegangen werden, dass (ähnlich wie man es in der Transplantationsmedizin beobachten kann) eine Reaktion auf die befruchtete Eizelle in einem Zeitfenster von nur wenigen Stunden erfolgt. Ist das mütterliche Immunsystem also vor dem Kontakt mit der befruchteten Eizelle initial in einem proinflammatorischen, entzündlichem (TH1) Modus, so wird die befruchtete Eizelle eher als fremd und gefährlich
erkannt werden – es findet eine Abstoßung statt.
Theoretisch kann es aufgrund der immer wiederkehrenden Antigenpräsentation während der gesamten Schwangerschaft zu einer Änderung der Antwort von Toleranz zu Abstossung gegenüber der befruchtete Eizelle kommen. Besonders kritisch sind jedoch die ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft, da in dieser Zeit die befruchtete Eizelle noch sehr klein ist und alleine durch Aktionen des Immunsystems eliminiert werden kann.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse und des zentralen Einflusses der antiinflammatorischen
Mediatoren (Interleukin-10, TGF-Beta) und proinflammatorischen Signale (Interleukin-6, TNF-alpha) auf die Art der immunologischen Antwort, soll die Rolle des Einsatzes der mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA auf eine Verbesserung der „Baby Take Home Rate“ genauer betrachtet werden:
Omega-3-Fettsäuren sind eine spezielle Gruppe von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die für den Menschen lebensnotwendig sind.
In diesem Zusammenhang ist auch die aktuelle Versorgungslage in der Bevölkerung zu erwähnen. Diese ergibt ein eher kritisches Bild. So verzeichnete der Ende Januar 2017 veröffentlichte Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beim Verbrauch von Fisch einen deutlichen Rückgang. Insbesondere fettreiche Fische stellen die Hauptquelle für die wichtigen langkettigen und biologisch aktiven Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) dar.
Damit dürfte sich die ohnehin unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Omega-3-Fettsäuren noch weiter verschlechtert haben.
Messungen des Omega-3-Status in Körpergeweben, die die beste Auskunft über den Versorgungsstatus geben, bestätigen dies. HS Omega-3-Index-Werte liegen in Deutschland im mittleren bis unteren Bereich.
Die Omega-3-Fettsäure DHA ist übrigens auch ein zentraler Baustein bei der Entwicklung des embryonalen Zentralnervensystems.
Den Omega-3-Fettsäuren werden unterschiedliche positive gesundheitliche Effekte zugeschrieben.
Neben den immunmodulatorischen Aspekten, verbessern diese langkettigen Fettsäuren beispielsweise die rheolo-
gischen Eigenschaften des Blutes (Fließeigenschaften) und haben damit eine antithrombotische Wirkung. Sie wirken stabilisierend auf den cardialen Rhythmus – hier ist insbesondere das in der Kardiologie eingesetzte Präparat „Omacor“ als Vertreter anzuführen. Unter Omega-3-Supplementierung reduzieren sich auch Neutralfette (Triglyceride); es erhöht sich die Synthese des HDL-Cholesterins, damit geht ein positiver Effekt bei Fettsoffwechselstörungen einher. Insbesondere DHA und EPA reduzieren die Synthese von proinflammatorischen Mediatoren (TH1-Antwort) wie Interleukin-6, TNF-alpha, Interleukin-1beta, und auch des C-reaktiven Proteins (CRP) nachhaltig. Damit sind EPA und DHA oft eingesetzte Adjuvantien in der Therapie entzündlicher Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder dermatologischen Erkrankungen wie
Psoriais oder Neurodermitis, weil es insbesondere bei diesen Erkrankungen zu einer deutlichen Verschiebung in Richtung einer entzündlichen TH1-Antwort im Immunsystem und damit zu einer dauerhaften entzündungsfördernden Immunsituation kommt.
Die dritte Omega-3-Fettsäure aus pflanzlichen Quellen (alpha-Linolensäure), enthalten z. B. in Lein- oder Walnussöl, zeigt diese ausgeprägte antiinflammatorische Wirkung nicht, da sie im humanen System erst in EPA und DHA umgewandelt werden muss. Dieser Umwandlungsprozess durch das Enzym Delta-Desaturase unterliegt einer Limitierung, das bedeutet, dass nur maximal 10% (6%EPA, 4% DHA) der aufgenommenen alpha-Linolensäure umgewandelt werden kann. Bei Linolsäure-reicher Diät reduziert sich dieses Umwandlungslimit wahrscheinlich noch weiter bis auf nur lediglich 2%.
Die Reduktion der Synthese proinflammatorischer Zytokine durch EPA und DHA ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer immunsuppressiven Therapie wie es zum Beispiel bei Einsatz von Steroiden (Cortison) durch Hemmung des Signaltransduktionsfaktors Nf-kappaB und der Induktion von Apoptose (Zelltod) an den T-Zellen kommt. Omega-3-Fettsäuren sind somit ein Tool zur Immunmodulation, da sie bei Einsatz nicht zu einer möglichen Erhöhung der Infektanfälligkeit führen, sondern ausschließlich positive und harmonisierende Effekte auf das Immunsystem zeigen.
Werden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA also konsequent in einer Konzentration von mindestens 300 mg EPA und 200 mg DHA pro Tag vor und während einer Kinderwunschtherapie und folgender Schwangerschaft, respektive bereits vor Ovulation, wenn es sich um eine auf natürlichem Weg herbeigeführte Konzeption handelt, eingesetzt, so reduziert sich eine mögliche TH1-Antwort (Aggression) gegenüber der befruchteten Eizelle.
Dieses führt somit zu einer Verschiebung in Richtung einer TH2-Antwort im Sinne einer Toleranz.
Daraus folgt, dass der Einsatz von Omega-3-Fettsäuren in der Fertilitätstherapie eine sinnvolle unterstützende Maßnahme darstellt, die insbesondere bei bereits bestehendem Kinderwunsch mit fehlenden Zeichen für eine Schwangerschaft
oder gehäufter Abortneigung die Gesamtsituation des Immunsystems für Mutter und Embryo für eine erfolgreiche Schwangerschaft optimieren kann.
Omega-3-Fettsäuren können die Chance, schwanger zu werden und zu bleiben, deutlich erhöhen.
Eigene Erfahrungen weisen auf eine Größenordnung von bis zu 30 % hin.
verfasst und medizinisch geprüft durch: Dr. S. Pfeiffer, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Facharzt für Immunologie; aktualisiert am 2026/02/23
Seit vielen Jahren ist die positive Wirkung von Magnesium auf die Schwangerschaft
bekannt. Schon 1988 konnten wir diesen Zusammenhang in einer Doppelbildstudie
zeigen. In einer Doppelblindstudie weiß weder die Patientin noch die Studienleitung
in welche Patientin die zu untersuchende Substanz erhält. Deshalb sind
entsprechende Aussagen auch sehr sicher. Diese im British Journal of Obstetrics
and Gynaecology veröffentliche Studie zeigte nicht nur eine Verlängerung der
Schwangerschaft und weniger zu frühgeborene Kinder, sondern auch insgesamt
weniger Verlegungen der Kinder auf die Intensivstation. Da die werdenden Mütter mit
der Einnahme von Magnesium oder Placebo schon sehr früh begonnen hatten, fiel
bei der Auswertung auch auf, dass in der Magnesiumgruppe weniger Frauen wegen
Blutungen ins Krankenhaus mussten. Sogar die Rate der Frauen, die eine Cerclage
benötigten, war signifikant erniedrigt.
So kann man davon ausgehen, dass die frühestmögliche Einnahme von Magnesium
der werdenden Mutter guttut. Der Ausgleich von Magnesium, das in der
Schwangerschaft vermehrt ausgeschieden wird, normalisiert eine Vielzahl von
Stoffwechselschritten, so dass auch gesunde Schwangere ca. 10-15 mmol oder 300-
350 mg Magnesium pro Tag über die gesamte Schwangerschaft einnehmen sollten.
Und das nicht nur bei vorzeitigen Kontraktionen oder Wehen. So kann auch davon
ausgegangen werden, dass Magnesium den Frauen hilft, die durch drohende Aborte
belastet sind.
Weiterführende Informationen unter
verfasst und medizinisch geprüft durch: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Facharzt für Gynäkologie, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Fulda a.D., Vorstand der Deutschen Familienstiftung, aktualisiert am 2025/11/11
Der Nicht‑invasive Pränataltest (NIPT) ist ein Bluttest aus mütterlichem Blut. Mit dem NIPT wird im Blut der Mutter nach Zellen des ungeborenen Kindes gesucht und auf genetische Veränderungen (Trisomien) der Chromosomen 21, 18 und 13 untersucht. Der Test wird zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt.
Was kann der NIPT – und was nicht?
Der NIPT ist ein Such-Test, kein Diagnose‑Test.
Besonders sinnvoll ist es, den NIPT zu verwenden, wenn ein hohes Risiko besteht, dass das ungeborene Kind eine Trisomie 13, 18 oder 21 haben könnte (Hochrisiko- Kollektiv).
Ein negatives Ergebnis ist meist sehr zuverlässig (>99 %). Dass trotzdem eine Trisomie vorliegt, ist unwahrscheinlich.
Ein positives Ergebnis kann falsch sein. Der sogenannte „positive Vorhersagewert (PPV)“ (also: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein auffälliges Testergebnis wirklich stimmt?) hängt stark vom individuellen Risikoprofil der Mutter ab. Er ist bei älteren Schwangeren höher als bei jüngeren.
Als Beispiel: Bei einer 22-jährigen Frau kann ein positives Ergebnis oft falsch sein (korrektes Ergebnis bei Trisomie 21 nur in 48%, bei Trisomie18 und 13 sogar nur 14% und 6%). Bei einer 38-jährigen Frau dagegen wird ein positives Ergebnis sehr wahrscheinlich richtig sein.
Der NIPT ist kein Beweis, dass eine Trisomie sicher vorliegt, er ist jedoch ein wichtiger Hinweis. Bei einem auffälligen Ergebnis muss immer eine weitere Untersuchung (Ultraschalluntersuchung, Fruchtwasseruntersuchung) durchgeführt werden, um sicher zu sein, dass bei dem Kind eine Trisomie vorliegt.
In manchen Fällen liefert der Test kein Ergebnis. Das passiert in der Regel, wenn die Blutprobe zu wenig Erbgut des ungeborenen Kindes enthält. Meist liegt es daran, der der Test zu früh erfolgte. Der NIPT kann in diesem Falle etwas später wiederholt werden.
Bei Zwillingsschwangerschaften, nach künstlicher Befruchtung und bei Adipositas ist das Risiko eines ergebnislosen NIPTs höher. Ergebnislose Tests können aber auch ein Hinweis auf eine Trisomie 13 oder 18 sein. Hier sollte zunächst eine detaillierte Ultraschalluntersuchung erfolgen, ggf schlägt die Ärztin oder der Arzt dann auch eine Fruchtwasseruntersuchung vor.
Mittlerweile gibt es auch erweiterte NIPTs, die über die Trisomien der Chromosomen 21,18 und 13 hinaus noch eine Vielzahl an weiteren genetischen Veränderungen finden sollen. Hier ist die Zuverlässigkeit der Ergebnisse aufgrund der Seltenheit der zu suchenden Auffälligkeiten und der Störanfälligkeit stark eingeschränkt. Der Einsatz des NIPTs zur Bestimmung des Risikos für seltene autosomale Aneuploidien, strukturellen Chromosomenstörungen, insbesondere Mikrodeletionen und monogenetische Erkrankungen beim Feten kann derzeit nicht generell empfohlen werden. Auch ein NIPT auf Veränderungen der Geschlechtschromosomen sollte nicht routinemäßig durchgeführt werden.
Fazit:
Der Bluttest auf Trisomie 21, 18 und 13 kann in speziellen Situationen hilfreich sein und Hinweise auf mögliche Veränderungen geben. Jedoch ist der Test kein endgültiger Beweis. Deshalb ist eine umfassende Ultraschalluntersuchung, z.B. ein Ersttrimesterscreening durch erfahrene Untersucher vor der Testdurchführung und eine gute Beratung und weitere Diagnostik nach einem positiven Testergebnis sehr wichtig. Ein auffälliges Ergebnis muss immer durch weitere Untersuchungen (z. B. Fruchtwasseruntersuchung) überprüft werden.
Der NIPT ist keine Routine‑Untersuchung für alle Schwangeren und kein verpflichtender Bestandteil der Vorsorge.
Nicht für jede Person bringt der Test die erwünscht Sicherheit. Manche erleben durch ihn zusätzliche Verunsicherung oder Angst.
Im Rahmen einer pränataldiagnostischen Untersuchung besteht ein Anspruch auf ärztliche und psychosoziale Beratung, auch diese ist freiwillig.
Ist der NIPT eine Kassenleistung?
Ja – unter bestimmten Voraussetzungen.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn:
Habe ich ein Recht, den Test abzulehnen?
Ja. Der NIPT ist freiwillig.
Was ist wichtig vor der Entscheidung?
Vor dem Test ist es hilfreich, sich zu fragen:
Beratung kann helfen:
Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung- sondern nur eine, die zu Ihnen und Ihrer Situation passt.
Quelle https://www.aerzteblatt.de/archiv/nichtinvasive-praenataltests-risiko-fuer-fehlinterpretation-85c012a4-ecea-4a22-bdb5-e7919772b63c
medizinisch geprüft durch: Prof. Dr. Annegret Geipel, Fachärztin für Gynäkologie, Leiterin Pränatalmedizin Uniklinik Bonn, Dr. Verena Schänzler, UKB aktualisiert am 2026/05/28