Für das Umfeld der Betroffenen

Viele Frauen, die eine Fehlgeburt hinter sich haben, leiden zusätzlich noch unter der Umgehensweise ihrer Umwelt. Sie fühlen sich verletzt durch unüberlegte Äußerungen und durch die Banalisierung. Für die umstehenden ist die Trauer nicht zu verstehen, es war ja noch kein greif- und sichtbares Kind. Die Mutter sieht das Kind aber schon mit dem Herzen. Die emotionale enge Bindung besteht seit dem Wissen um die Schwangerschaft. Es werden Pläne geschmiedet, es wird die Zukunft ausgemalt, man ist voller Vorfreude auf diesen Menschen, für den man schon aufrichtige Mutterliebe empfindet.
Dann stirbt dieses Wesen… Eine Welt bricht zusammen und man trauert mit ganzer Seele und aus vollem Herzen.
Wenn man in dieser Situation auf Unverständnis und wenig empathisches Verhalten der Umwelt trifft, ist das sehr verletzend für die Frau. Sie bekommt unüberlegte, lapidare Aussagen zu hören wie „Das war ja noch kein richtiges Kind“, „Besser jetzt als später“, „Dann probiert ihr es halt nochmal“ , "Besser als eine Behinderung", "Wer weiss wofür es gut war" usw. oder es wird sogar über das Geschehene ohne jegliche Beachtung drüber hinweg gegangen.
Das aber sind alles Bemerkungen, die man nicht hören möchte, da sie implizieren, dass die Tragweite nicht verstanden wird und das Geschehene runter gespielt wird in seiner Schwere. Es ist aber eine wirkliche Tragödie für die Frau und dieses eine Kind nicht einfach ersetzbar. Ihr ihre Gefühle abzusprechen ist das denkbar falscheste.
Besser wäre es ihr Hilfe in Form von zuhören anzubieten, für den Fall, dass sie das möchte. Sich wiederkehrend nach dem Befinden zu erkundigen und ihr das Gefühl zu geben, sie und ihre Trauer ernst zu nehmen.

Darüber hinaus ist es für viele Frauen nicht zu verstehen, dass das Umfeld nach kurzer Zeit zum „business as usual“ zurückkehrt und damit den Eindruck erweckt, dass das ungeborene Leben nie existiert hat oder schon vergessen wurde.  Emotional gesehen war dieses Kind schon viel mehr als eine bloße „Zellanhäufung“ und auch ein Verlust in einer frühen Woche wiegt für viele Frauen dennoch schwer. Die Frau wird nicht mehr gefragt wie es ihr geht, wie sie den Verlust verkraftet und ob man etwas für sie tun kann. Das verletzt viele. Denn es war ja ihr Kind, was sie verloren hat, ein wichtiger Mensch to be, über den hinweg gegangen wird als hätte es ihn nie gegeben und als wäre es belanglos gewesen. Das  Rad der Zeit dreht sich für die Umwelt weiter als hätte dieser Mensch to be keine Bedeutung gehabt. Dadurch werden viele Frauen sauer oder traurig, war es doch ihr wichtigstes. 

Besser wäre es sich wiederholt nach ihrem Ergehen zu erkundigen, denn so ein Verlust hallt unter Umständen noch lange nach, und ihr immer wieder eine Schulter zum Anlehen und ein offenes Ohr anzubieten. Durch so ein Verhalten für sich die Frau ernst genommen und dem verlorenen Kind wird angemessene Wichtigkeit und eine Rolle beigemessen.  

"Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit. 
Für die Eltern, deren Kind stirbt, stirbt die Zukunft." 
(abgewandelt von B. Auerbach) 

Hier noch eine weitere Hilfestellung zum Nachlesen über den Umgang mit Trauernden 

https://www.dropbox.com/sh/fjj2muddisc1qx6/AABbjAsxKBF-mfLe9cNgfkqHa?dl=0

Lieben Dank dafür, Sabrina!